BASEL UND RIGA– eine musikalische
Zusammenarbeit
Als Lettland im Jahr 1991 seine Unabhängigkeit zurückgewonnen
hatte, waren die Grenzen wieder offen für alles, was jahrelang durch
den "Eisernen Vorhang" abgehalten worden war. Die "Renaissance
der Alten Musik", die in Westeuropa
schon seit mehr als einer Generation in vollster Blüte stand, konnte
man in Lettland nur ahnen - die Menge der neuen Schallplatten-Aufnahmen,
Musik-Editionen, Verbesserungen im Instrumentenbau, die Namen, Ensembles,
Spezialisierungen – all das ging an den interessierten jungen lettischen
Musikern und am Musikleben vorbei, und all das muss heute in gesteigertem
Tempo aufgeholt werden. Das Interesse der Fachleute und des Publikum ist
heute so virulent, dass die Lettische Musik-Akademie Riga kurz davor steht,
einen Studiengang "Alte Musik" einzurichten. Es ist ein Glück,
dass die freundschaftliche Zusammenarbeit zwischen der Schola Cantorum
Basiliensis, Hochschule für Alte Musik an der Musik-Akademie der
Stadt Basel, und der Akademie in Riga schon auf ca. 12 Jahre zurückblicken
kann – immer mehr talentierte junge Musikstudenten aus dem Baltikum
entscheiden sich für ein spezialisierendes Aufbaustudium in Basel,
diesem Zentrum für Historische Musikpraxis seit Paul Sachers Gründung
im Jahr 1933. So ist auch die Idee entstanden, dass sich lettische und
schweizerische Studierende zu einem Barockensemble zusammengetan haben,
um wieder diejenige Musik zum Leben zu bringen, die bereits im 17./18.Jahrhundert
in Riga komponiert oder/und
aufgeführt worden ist,- freundschaftliches Zusammenwirken, Austausch
von Kenntnissen und Erfahrungen, Gewinn für beide Seiten.
Im Jahre 2003 konnte in Basel ein grösseres gemeinsames Projekt durchgeführt
werden: Der grossartige lettische Chor "Balsis" und lettische
Studierende der Schola Cantorum Basiliensis führten in der bis auf
den letzten Platz besetzten Predigerkirche Musik aus Lettland vom 18.
bis 21. Jahrhundert auf. Mit freundlicher Unterstützung einer hilfreichen
Stiftung und der PRO HELVETIA konnte der nächste Schritt der Zusammenarbeit
realisiert werden: Meisterkurse mit Joshua Rifkin und Sergio Azzolini
führten im Dezember 2004 zu zwei Konzerten in Riga, die eine grosse
Resonanz hervorriefen. Musikstudenten, berufstätige Musiker wie auch
das breite lettische Publikum haben die Konzerte begierig und herzlich
aufgenommen. Acht junge lettische und schweizerische Musikstudenten aus
Basel kamen bereichert von dieser Riga-Reise zurück.
Nun ist schon das dritte Projekt in Vorbereitung:Im Mittelpunkt steht
Musik von Johann Sebastian Bach und seinem letzten Schüler, Johann
Gottfried Müthel (1728-1788), der sein gesamtes berufliches Leben
in Riga verbracht und dort im Stadtteil "Kesselberg" gelebt
hat. Wieder kommen auch junge Musiker aus Riga zu diesem Projekt nach
Basel, um das neue "Kesselberg-Ensemble" aus der Taufe zu heben
und die fruchtbare Zusammenarbeit weiter zu vertiefen. Die Professorin
der Musik-Akademie Riga, Dr. Zane Gailite, wird als Auftakt einen Vortrag
über "J. G. Müthel und Musik in Riga der zweiter Hälfte
des 18. Jahrhunderts" halten (Freitag, 25.2., 20.15 Uhr im Kleinen
Saal der Musik-Akademie Basel). Das Konzert am 27.02 (um 17 Uhr im Zinzendorfhaus)
wird am 1.03. im Wentzingerhaus Freiburg im Breisgau wiederholt. Das Cembalokonzert
Es-dur von Müthel wird in einen Kontext mit Bachs "Kaffee-Kantate"
gestellt – da werden Kompositions-Schüler und -Lehrer musikalisch
so eng "zusammenwirken" wie damals im Jahre 1750...
Ähnlich wird auch die musikalische Kooperation zwischen Basel und
Riga bzw. ihren Musikausbildungsstätten sicher noch eine schöne
Zukunft haben.
Kristine Jaunalksne und Raitis Grigalis
Basel, im Februar 2005
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