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SBH-Jahresversammlung 2001



Die diesjährige Jahresversammlung des SBH vom 13. Januar im CVJM-Haus in Basel bot den ca. 50 TeilnehmerInnen wiederum allerhand Interessantes. Nach der ordentlichen Generalversammlung, die von Präsident Axel C. Scherrer-Rychen wie üblich protokollarisch korrekt und in kürzester Zeit abgewickelt wurde, standen die folgenden Themenreferate an:




Die kurländische Kolonie auf Tobago


Frau Mary-Anne Bauer aus D-71229 Leonberg stellte mit ihrem Thema "Die kurländische Kolonie auf Tobago" eine lettische Rarität dar. Die Inseln Trinidad und Tobago befinden sich auf dem 10.-11. Breitengrad, 12 km von den Küste Venezuelas entfernt.

Sie wurden 1498 von Kolumbus entdeckt, ab 1552 kolonisierten die Spanier Trinidad. 1628-37 versuchten die Holländer, Tobago zu besiedeln. Insgesamt wechselte Tobago 37 mal seinen Besitzer.

Im 17. Jahrhundert unterhielt das Herzogtum Kurland, eine europäische Macht in der Zeit des Dreissigjährigen Krieges, unter Herzog Jakob (1642-81) die überseeische Kolonie von Tobago. Herzog Jakob hatte in Rostock und Leipzig studiert und bereits als junger Mann Deutschland, Frankreich, Italien, England und Holland bereist. Jakob betrieb Wirtschaftspolitik im Geiste des damals verbreiteten Merkantilismus, förderte den Schiffbau für den Export und schuf viele damit verbundene Industrieunternehmen.

Mit seinem Stützpunkt Tobago und dem damit verbundenen Sklavenhandel wurde Herzog Jakob als Kolonialherrscher berühmt. Mit der Gefangennahme Jakobs durch die Schweden im Baltischen Krieg (1657), dem holländischen Überfall der kurländischen Siedlung auf Tobago und schliesslich dem Tod des Herzogs 1682 zerfiel der kurländische Besitz. Allerdings versuchte sein Nachfolger Friedrich Kasimir die Siedlung mit neuen Forts wieder aufzubauen (1686). Noch 1693 werden von der Insel Zucker und Tabak exportiert, bevor ein Jahr später Friedrich Kasimir beschliesst, kein Geld mehr nach Tobago zu schicken und die Siedlung aufzugeben.

Die Kurländer zogen aus Tobago ab und überliessen die Forts den Franzosen und später den Engländern, die 1797 Trinidad eroberten und aus ihm eine Kronkolonie machten. 1814 wurde auch Tobago endgültig britisch und 1888 mit Trinidad vereinigt. 1962 erhielt der Staat Trinidad und Tobago die Unabhängigkeit, 1976 wurde er Republik im Rahmen des britischen Commonwealth.

Kurland, das im 13. Jahrhundert vom Deutschen Orden erobert und christianisiert wurde, wurde nach dem Zerfall des livländischen Ordensstaates ab 1561 weltliches Herzogtum unter polnischer Lehnshoheit. 1737, als die von Gotthard Kettler begründeten Dynastie ausstarb, erhob die Kaiserin Anna von Russland ihren Günstling E.J. von Biron zum Herzog von Kurland. 1795 kam Kurland an Russland. Das 1915-19 und 1941-45 von deutschen Truppen besetzte Kurland gehört seit 1918 zu Lettland.

Noch heute erinnert die Great Courland Bay bei Plymouth auf Tobago an die kurländische Kolonie im 17. Jahrhundert. Trinidad und Tobago, zwei traumhafte Inseln in der Karibik, die heute 1'307'000 Einwohner zählen, erfreuen sich zahlreicher Touristen. Die Referentin, Frau Mary-Anne Bauer betreibt das Reisebüro "Carib Consult" und bietet Reisen nach Trinidad & Tobago an.

http://www.Carib-Consult.de





Swiss Baltic Net


Seit 1. April 2000 gibt es im schweizerisch- baltischen Netzwerk eine neue Einrichtung: Das Swiss Baltic Net. Dr. Max Schweizer, ein beurlaubter EDA-Diplomat (zuletzt in Helsinki stationiert) erhielt vom Baltikum-Ausschuss der Gebert Rüf Stiftung grünes Licht für mehrere Projekte.

Dazu gehören Mittel für Zeitschriftenabonnemente und Literatur. Während Periodika breit gestreut eingesetzt werden, ist die Schweizer Literatur in den baltischen Universitätsstädten vertreten. Kernstücke sind "Schweizer Lesezimmer". Solche wurden bisher in Tallinn und Pärnu (Estland), Riga und Liepaja (Lettland), Vilnius, Kaunas, Siauliai und Nida (Litauen) eröffnet.

Im Bereich "akademische Nachwuchsförderung" läuft ein zweijähriger Nachdiplom-Kurs für literarische Übersetzungen an der Universität von Vilnius. Im Rahmen dieses Kurses werden Werke von Schweizer Autoren übersetzt.

Seit Herbst 2000 haben fünf "SwissScience Officer" an fünf Technischen Universitäten ihre Tätigkeit aufgenommen, um unter anderem dank ihrer Kenntnisse eine Verbindung zum Forschungs- und Wissensplatz Schweiz zu schaffen. Diesen Prozess unterstützt die Stiftung, indem sie Besuche in Schweizer Institutionen ermöglicht, den "SwissScience Visits" und durch die Vergabe von "SwissScience Awards" an ausgezeichnete Doktoranden.

In der Schweiz stehen dieses Jahr Veranstaltungen an den Universitäten Basel, Fribourg und Zürich bevor.

Beim Start der Tätigkeit für Swiss Baltic Net beschäftigte Max Schweizer die Frage der Selbstdarstellung und der Osteuropa-Aktivitäten der Gebert Rüf Stiftung. Swiss Baltic Net schien ihm den Wunsch nach einer Verbindung der beiden Räume zu betonen.

Mit Swiss Baltic Net sollen der Informationsfluss und die akademischen Kontakte zwischen der Schweiz einerseits, dem Baltikum und Europa andererseits intensiviert werden. Nach dem erfolgreichen Aufenthalt des Zürcher Schriftstellers Ulrich Knellwolf in Tartu (Estland) und der Publikation seines Kriminalromans "Auftrag in Tartu" (der inzwischen auch in estnischer Übersetzung vorliegt) steht im Mai eine Reise des Autors Hugo Lötscher durch die drei baltischen Staaten bevor.




Gebert Rüf Stiftung
http://www.grstiftung.ch

Swiss Baltic Net
http://www.swissbaltic.net

Bücher von Max Schweizer
http://www.osteuropa.ch/mainmenu/buecher/inhalt_maxschweizer.htm





"Kindersuppenküche Silute/Heydekrug, Memelland, Litauen


Axel Scherrer stellte den heutigen Stand dieser klaren und transparenten Hilfsaktion für bedürftige Kinder in Litauen vor. Dieses Projekt steht seit zehn Jahren unter dem Patronat der Johanniter-Hilfsgemeinschaft und wird von Lions Club Basel, Rotary Club Arlesheim und dem Schweizerisch-Baltischen Hilfskomitee mitgetragen und organisiert.

Dem Vorstand von SBH scheint dieses Projekt gut für eine langfristige Unterstützung geeignet. Anlässlich eines Kurzbesuches am 1. Mai 2000 konnte sich ein Team aus der Basler Regio von der gründlichen Buchführung, Sauberkeit und Sorgfaltspflicht des Betriebes überzeugen. Es werden 67 Kinder mit einem warmen Mittagessen verpflegt. Die Auswahl der Kinder erfolgt in Zusammenarbeit mit den Lehrkräften der öffentlichen Schulen. Gerne zeigen wir Interessenten eine ausführliche Dokumentation über diesen Betrieb.

Auf vielseitigen Wunsch wurde die Gaben-Sammlung für bedürftige Kinder um eine Woche bis 29. September 2000 verlängert. In der Zwischenzeit ist in Heydekrug ein halber Sattelschlepper von Gaben in Form von Kinderkleidern und Kinderschuhen sowie Bettwäsche eingetroffen. Auch wurden grössere Beträge projektbezogen gespendet und werden Ende Juli 2001 anlässlich der SBH-Gruppenreise vor Ort übergeben werden. Es ist vorgesehen, nach den Sommerferien ein zweite Sammlung durchzuführen und noch vor Weihnachten auszuliefern.

Kinderkleider, Kinderschuhe und Bettwäsche können weiterhin gespendet werden. Der Präsident des SBH gibt Ihnen gerne Auskunft. Verpacken sollten Sie ihr Geschenk in einen soliden Plastiksack oder in einen guten Karton, maximal 20 kg pro Einheit. In Basel wird nicht mehr sortiert, und darum bitten wir um saubere Gegenstände. Sollten Sie nicht in der Lage sein Naturalien beizutragen, so sind Geldspenden auf das Konto 40-20202-7 Schweizerisch-Baltisches Hilfskomitee, Vermerk "Šilute" Litauen herzlich willkommen und schon heute verdankt. Mailempfänger sind gebeten einen Einzahlungsschein zu verlangen.





Kulturelles Programm - Chor aus dem Baltikum


Während des Jahres 2000 war aus dem Bezirk Liepaja (Libau) in Kurland / Lettland der Gemischte Chor "Lira" zu Gast. Der Besuch erfolgte Ende September auf Einladung des Vereins "Pro Aizpute" in Schwerzenbach ZH. Diese Gemeinde pflegt seit Jahren eine ausgezeichnete Partnerschaft mit der lettischen Gemeinde Aizpute. Darum wurde nach den Konzerten eine Kollekten zu Gunsten des Alters- und Pflegeheimes von Aizpute veranstaltet. Aufführungen fanden in Schwerzenbach, Zürich, Münchenstein, Rüti SG und in Sennwald SG statt.





SBH Reise 2001 "Von Königsberg nach Petersburg - ostwärts durch das Baltikum"


Zum Schluss kündigte Axel Scherrer eine einmalige Reise an,
die vom SBH in diesem Jahr organisiert wird:

Die Reise durchs Baltikum beginnt am 20.7. mit einem Flug nach Kaliningrad. Weiter gehts über die Kurische Nehrung ins ehem. Memelland (Heydekrug) nach Vilnius (Litauen). Das Programm sieht einen Besuch des Barockschlosses Rundale in Lettland, dem Sitz der kurländischen Herzöge vor und lässt die Reisegruppe an den Feierlichkeiten "800 Jahre" Riga, u.a. am Sängerfest, teilnehmen.

Über Sigulda, der "lettischen Schweiz", geht die Reise weiter in die estnische Universitätsstadt Tartu und nach Tallinn, in die Hauptstadt des nördlichsten baltischen Staates. Von Tallinn aus werden die Reisenden entweder nach Helsinki oder St. Petersburg weiterfahren. Rückflug am 6.8. Nähere Informationen beim SBH-Präsidenten.

       
     
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