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| SBH-Jahresversammlung 2000 Unter der Moderation des Präsidenten des Schweizerisch- Baltischen Hilfskomitees, Axel C. Scherrer-Rychen aus Münchenstein, wurden am 22. Januar vor den etwa 50 TeilnehmerInnen die Formalitäten zur Jahresversammlung schnell durchgearbeitet, und man konnte zum informativen und kulturellen Teil übergehen. Primarschulhaus-Renovation in Kolka (Lettland) und Strassenkinder in Tallinn (Estland) Dieser Teil bestand zunächst aus einem Bericht über das Projekt "Primarschulhaus-Renovation" in Kolka, Lettland, und wurde von Ruth Quenzer aus Rombach/CH mit Dias bestritten. Einen Eindruck zum Stand des Projekts Strassenkinder in Tallinn, Estland, vermittelten der Schweizer Jürg Würtenberg und seine estnische Mitarbeiterin Diana Lindpere von der Swiss Baltic Chamber of Commerce mit einer Video-Präsentation und aufschlussreichen Erläuterungen. Beide Rapporte bestätigten einmal mehr die desolate Lage in einigen wirtschaftlichen und sozialen Bereichen in den baltischen Staaten. Man darf nicht vergessen, dass diese Länder im Nordosten Europas noch bis vor kurzem zur Sowjetunion gehört haben, und dass das schwierige Erbe zunächst noch aufgearbeitet werden muss. Dies ist eine langfristige Aufgabe und kann schwerlich nur mit kosmetischen Eingriffen und naivem Hurrapatriotismus bewerkstelligt werden. Der heutige Lebensstandard in diesen Ländern scheint im Westen trotz Fortschritten weiterhin zum Teil falsch eingeschätzt zu werden. Die Lage der Landwirtschaft aller drei baltischen Staaten ist arg angeschlagen, produziert wird unter schwierigen Bedingungen und oft profitlos, während diese Länder von Importprodukten aus der EU überschwemmt werden. Die Löhne sind im Vergleich zu Westeuropa sehr niedrig, und die Preise steigen kontinuierlich an. Zudem spielen im gesellschaftlichen Alltag Mentalitätsunterschiede zwischen Balten und Russen eine wichtige, manchmal unheilvolle Rolle. So herrscht zwischen diesen beiden ethnischen Gruppen eine starke Diskrepanz etwa in Sachen Verantwortungsgefühl. Während die Balten zum Individualismus und zur Selbstverantwortung neigen, rücken die Russen das kollektive Bewusstsein in den Vordergrund und schieben vor allem dem Staat die gesellschaftliche Verpflichtung zu. Stark vertreten mit allerlei Hilfeleistungen und mehr oder weniger ernst gemeinter wirtschaftlicher Zusammenarbeit sind im Baltikum neben Deutschland, Österreich und der USA die skandinavischen Länder. Auch die Schweiz engagiert sich dort mit verschiedenen Unterstützungsprojekten staatlicher und privater Provenienz und erfährt halt eine gewisse Konkurrenz seitens der erwähnten Länder. Bundesbern betreibt nur in Riga eine Botschaft, die auch für Litauen zuständig ist, während die Botschaft in Helsinki auch für Estland verantwortlich ist. In Tallinn wird die Schweiz von einem Honorarkonsul vertreten. Nach Würtenbergs Ansicht ist es für den Westen von entscheidender Bedeutung, die vielseitige Zusammenarbeit mit Ostmitteleuropa und mit dem Baltikum zu fördern, denn auf Gedeih und Verderb sei man mit dem Osten "verheiratet", eine Scheidung sei im Prinzip unmöglich. Die Schweiz könne sich in diesem Raum entweder engagieren, wenn sie dies wirklich wolle, oder riskiere mit ihrer zögerlichen Haltung eben eine Verspätung und ein Abseitsstehen gegenüber anderen Staaten, die im Baltikum schon zuvor ihre Positionen eingenommen hätten. Am Ende dieses gelungenen Programmteils las Pfarrer Ulrich Knellwolf, der Estland aus eigener Erfahrung kennt, aus seinem neusten Roman "Auftrag in Tartu" und betonte mit seinem unterhaltsamen Vortrag einige Gemeinsamkeiten in den historischen Beziehungen zwischen dem Baltikum und der Schweiz. Ein musikalisches Intermezzo, dargeboten von jungen litauischen Pianisten, ein Aperitiv und das gemeinsame Mittagessen in dem CVJM-Haus in der Nähe des Basler Claraplatzes rundete die interessante Tagung ab, an der auch Gäste aus dem Baltikum, unter ihnen einige StudentInnen, teilnahmen. Im Foyer befand sich ein Stand mit Produkten aus dem Baltikum, die zum Verkauf angeboten wurden. |
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